v.2009
Unerwartete Freiheiten. Nachdem mein Zug stecken geblieben war, mein Anschlusszug ohne mich fuhr und der Flug endgültig verpasst war, als mein Reisepläne über der Wirklichkeit einiger verirrter Kühe erst ins Stolpern und schliesslich zu Fall kamen – da spürte ich eine unerwartete Dankbarkeit: unversehens aus allen Plänen herausgefallen, fand ich mich in einer Handvoll offener Stunden und einer geschenkten Gegenwart wieder.
xii.2008
Eine alte Aufnahme. Ein Thai-Mönch rezitiert; die heitere Tonalität des Thai, welche die Rezitation seines Pali färbt. Er kommt aus dem Nordosten, wo im Dialekt die ›r‹s nicht von den ›l‹s gesondert und beide einfach als ›l‹ gesprochen werden. Weil er dies weiß (ohne es tatsächlich zu hören) und bemüht ist, seine mangelnde Unterscheidung zu kompensieren, geraten ihm auch die eigentlichen ›l‹s immer wieder als ›r‹s. – Ein liebenswert geradliniges Beispiel für ein nicht immer so offenkundiges Muster, das in unseren Leben Verwirrung stiftet: Der Kompensationsversuch für einen als Mangel erlebten Aspket in unserer Selbstwahrnehmung richtet gelegentlich mehr Schaden an als der tatsächliche, besonders aber der vermeintliche Mangel selbst. Viele unserer Macken sind aus dem Ruder gelaufene Versuche, für unsere Macken zu kompensieren. Und bei allem bleibt der springende Punkt – die zweifelhafte Gültigkeit der Selbstwahrnehmung in ihrer scheinbaren Fraglosigkeit – geflissentlich außen vor.
xi.2008
Der Fuchs taucht bei meiner Gehmeditation am heiterhellen Tag auf: sein Fell ein dichtes, lebhaftes Rotbraun, die helle Schwanzspitze zittert bei jedem seiner Schritte mit. Unbesorgt kommt das Tier bis auf ein paar Meter an mich heran, läuft – wie ich auch – ein paar Mal auf und ab, und entfernt sich so sorglos und souverän, wie es aufgetaucht ist.
ix.2008
Ein englischer Flughafen. Auf dem Klo ein Automat mit folgendem Inhalt: Drei Sorten Kondome (›pleasuremax‹), ein Schmerzmittel (›minimal pain‹), dazwischen Pfefferminzbonbons. Dreimal Lust, möglichst kein Schmerz, Pfefferminzbonbons gegen die Langeweile zwischendurch: mit geradezu poetischer Knappheit bringt der Automat Saṃsāra auf den Punkt.
Letzte Änderung: 30.05.09 • © Akiñcano 2007-2009